Die Wissenschaft vom Lachen

Gelotologie - eine junge Wissenschaft

" Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag "

Diesen Spruch von Charlie Chaplin kennt wohl fast jede/r und er ist ein Grund mehr, sich mit dem Thema Lachen 365 Tage lang zu beschäftigen.

Als ich zum ersten Mal daran gedacht habe, dem Lachen meine Jahresarbeit zu widmen, habe ich noch gar nicht gewusst, dass aus dem einfachen Lachen eine ziemlich ernst zu nehmende Wissenschaft gemacht worden ist.

 Im ersten Moment denkt man vielleicht, dass Lachen viel zu alltäglich und banal ist und es nicht viel dazu zu sagen gibt.

Aber tatsächlich gibt es Wissenschaftler, die sich ernsthaft mit dem Thema Lachen beschäftigen und dabei viele interessante Aspekte entdeckten.

Teils bin ich aber bei der Recherche auch auf so theoretische, trockene und langweilige Texte gestoßen, dass mir das Lachen echt vergangen ist..

Aus einem so lebendigen und natürlichen Thema einen mehrseitigen, wissenschaftlichen Bericht zu machen war eine interessante, wenn auch nicht immer ganz einfache Aufgabe, die aber trotzdem (meistens zumindest) viel Spaß gemacht hat.

Die Wissenschaft vom Lachen : Jahresarbeit von Stella Roeber, 8. Klasse (Juni 2009)

Obwohl man schon seit Beginn der Menschheit lacht, begann sich die Wissenschaft erst sehr spät mit dem Phänomen Lachen auseinander zusetzen. Pionier auf diesem Gebiet war der Kalifornier William Fry. Um 1964 begann er, durch erste Selbstversuche mehr über das Lachen und dessen Wirkung auf den Körper herauszufinden. Anfangs wurde er von anderen Medizinern belächelt und nicht ernst genommen.
Seine Erkenntnis, dass Lachen das Immunsystem stärkt, erregte dennoch weltweites Aufsehen. 
William Fry begründete nach weiteren Versuchen den Begriff der Gelotologie die Wissenschaft von den physischen und psychischen Auswirkungen des Lachens.
Eine weitere Person, die bei der Entstehung der neuen Wissenschaft eine wichtige Rolle spielte, war Norman Cousins.
Der Wissenschaftsjournalist litt an einer chronischen Wirbelsäulenentzündung.
Nachdem ihm die Ärzte im Krankenhaus keine große Chance auf Heilung diagnostizierten, brachte er sich systematisch zum Lachen und wurde dadurch gesund. Seine nachgewiesene Heilung animierte einige Wissenschaftler, sich mit Humor und Lachen zu beschäftigen.
In der heutigen Zeit ist der Wissenschaftler Paul McGhee einer der wichtigsten Gelotologen. Seine Forschungen umfassen viele Untersuchungen verschiedener Altersgruppen und lassen Schlussfolgerungen zu, auf die sich andere Gelotologen stützen können.
Inzwischen ist die Gelotologie eine anerkannte und ernst g e n o m m e n e Wissenschaft, mit der sich viele Forscher beschäftigen.
Andere führende Gelotologen sind Lee Berk, Paul Ekman, Ilona Papousek, Robert Provine, Frank Rodden, Willibald Ruch und Barbara Wild.

Körperliche Aspekte des Lachens -  Lachen von Kopf bis Fuß

Atmung

Rein medizinisch gesehen, ist Lachen „nur“ eine spezielle Atembewegung. Das Besondere an der lachenden Atmung ist das Ausatmen, denn es geschieht in mehreren schnell hintereinander folgenden Stößen. Die normale Atmung geht vom Brustkorb aus, ist ruhig und geschieht größtenteils unbewusst. Beim Lachen kommt der Impuls vom Zwerchfell. Beim Einatmen senkt es sich und die Lunge füllt sich mit Luft. Diese kommt an der Stimmritze vorbei und strömt dort mit bis zu 100 kmh hindurch. Dann werden die Stimmbänder in der Stimmritze in Schwingungen versetzt. Je stärker das Ausatmen ist, desto lauter ist das Lachen. Männer Lachen mit ungefähr 250 Hertz (Schwingungen pro Sekunde), Frauen mit sogar ca. 500 Hertz. Das entspricht jeweils dem Doppelten an Schwingungen wie beim Sprechen.

Allerdings hängt die Lachhöhe noch von der Spannung und Dicke der Stimmbänder, sowie der Größe des Kehlkopfes ab.

Muskulatur

Die Bauchmuskulatur folgt der Atmung, spannt und entspannt sich.

Auch nach außen ist das Lachen deutlich sichtbar, dann es ist stets mit dem zusammenziehen der mimischen Gesichtsmuskeln verbunden. Der Jochbeinmuskel zieht die Mundwinkel nach oben, die Oberlippe wird angehoben, die Mundspalte verbreitert sich und die Augen verengen sich zu Schlitzen. Es bilden sich Falten an Augen- und Mundwinkeln, und die Pupillen weiten sich.

Beim Lachen sind fast alle Gesichtsmuskeln mehr oder weniger stark beteiligt. Wie viele Muskeln insgesamt aktiviert werden, hängt von der Stärke des Lachens und der Zählweise zusammen. Bei heftigem Lachen können bis zu 300 Muskeln in ganzen Körper an - oder entspannt wird werden. Beim Lachen spannen sie sich zuerst kurz an, um sich dann wieder zu entspannen. Arme und Beine werden bewegt und zur besseren Atmung wird oft der Kopf zurückgeworfen. Auch das Nervensystem wird so stark in Anspruch genommen, dass wir manche Muskeln, über die wir normalerweise Kontrolle haben, nicht mehr kontrollieren können.

Die Beinmuskulatur erschlafft und wir kippen vor Lachen nach vorne. Daher kommt die Redensart: sich schief lachen.

Auch die Kontrolle über die Blase kann bei starkem Lachen, ebenso wie ihr Inhalt, verloren gehen…

Herzkreislauf

Lachen ist also nicht nur ein kurzes „Hihi“ in einer Sprechblase, wie im Comic. Man lacht mit dem ganzen Körper. Der ganze Körper wird gefordert und so richtig in Schwung gebracht. 1 min. herzliches Lachen, ist ungefähr genauso gut für den Körper, wie 10 Minuten Joggen oder 3 Minuten schnelles rudern. Häufiges Lachen trainiert den Körper von oben bis unten:

Beim Lachen wird deutlich tiefer geatmet. Die Lunge wird mehr Luft gefüllt und die Lungenbläschen können mehr Sauerstoff aufnehmen. Insgesamt bekommt der Körper dreiviermal mehr Sauerstoff als sonst. Herz und Kreislauf werden angeregt, durch häufiges Lachen wird die Herzinfarktgefahr halbiert.

Es kommt zu einer stärkeren Durchblutung, und in folge zu einer höheren Pulsfrequenz (ca. 120 /min). Danach nimmt die zuvor gestiegene Herzfrequenz ab und der Blutdruck sinkt.

Verschiedene Verbrennungsvorgänge, zum Beispiel die Verbrennung von Cholesterin, und die Verdauung werden angeregt. Der Stoffwechsel wird somit positiv beeinflusst.

Immunsystem

Lachen hat auch eine sehr positive Wirkung auf das Immunsystem. Die Blutinhaltstoffe, die für die Immunabwehr wichtig sind werden deutlich vermehrt. Wie zum Beispiel die Killerzellen: Sie stürzen sich auf Viren, sodass man bei einer Erkältung schneller wieder gesund wird. Der amerikanische Immunologe Lee S. Berk hat festgestellt, dass bei lachenden Personen die Blutwerte von Antikörpern, Killer-Zellen und Gamma-Interferon steigen. Gamma-Interferon verhindert das Vermehren von Tumor-Zellen, also Krebs-Zellen im Körper. Auch T-Zellen, die den Körper gegen viele Krankheitserreger schützen, nehmen durch das Lachen zu. Zusätzlich werden Immunglobuline und verschiedene Zytokine im Blut gemessen. (Bei Traurigkeit und Stress sinkt die Zahl der Immunglobuline.) Diese Werte steigen zum Beispiel nach einem Lachanfall, sind noch über 24 Stunden im Blut nachweisbar und können über mehrere Tage anhalten.

Nervensystem

Außerdem wurde in Studien der Gelotologie herausgefunden, das Lachen Schmerzen vermindert. Schmerz ist ein Reiz eines Nervenendes. Dieser Reiz wird in bestimmte Hirnregionen geleitet, die dann Schmerzsignale aussenden. Die Stärke der Schmerzempfindung wird u.a. von Endorphinen und Enkephalinen gesteuert. Da beim Lachen eben diese vermehrt auftreten, empfindet man den Schmerz weniger stark. Dieser Effekt kann nach wenigen Minuten Lachen für mehrere Stunden anhalten.

Neben den ganzen positiven körperlichen Auswirkungen des Lachens sollten die seelischen auf keinen Fall zu kurz kommen.


 Psychische Aspekte des Lachens - Die Seele lacht mit dem Körper

 Kommunikation

Lachen ist meistens ein Ausdruck für Sympathie und gegenseitigem Einverständnis. Es ist eine der wichtigsten Mittel der menschlichen Kommunikation. Sehr wahrscheinlich ist es, dass Lachen menschheitsgeschichtlich der Entwicklung von Sprache deutlich vorausgeht. Als Beleg hierfür dient der Umstand, dass das Lachen in einer Gehirnregion ausgelöst und gesteuert wird, die deutlich älter ist als das Sprachzentrum.

Früher war bei Menschen, und ist bei Tieren heute immer noch, Lachen (Zähne zeigen) als Drohung gemeint. Ähnlich wie dem Zähnefletschen. Es zeigt, dass man ein gutes Gebiss und damit Kraft und Macht hat. Innerhalb einer Gruppe hatte es die Bedeutung einer starken Gemeinschaft und ein gleichberechtigtes Mitglied davon zu sein. Das kommt dem heutigen Lachen schon sehr nahe.

Lachen ist immer noch ein Zeichen einer Gemeinschaft. Das kann aber auch gegenteilige, drohende Wirkungen haben, für die, die nicht zu der Gruppe gehören und über die (möglicherweise) gelacht wird. Hämisches oder sarkastisches, vor allem aber Auslachen kann sehr verletzende Wirkungen haben. Das Lachen kann aus der Sicht der Ausgelachten in völliger Umkehr seiner heiteren Natur zu einer demütigenden, ehrverletzenden Waffe werden.

Stimmung

Zuerst einmal wird beim Lachen die Produktion der Stresshormone wie Adrenalin und Kortison gebremst. Dafür werden vermehrt Serotonin und Endorphine ausgeschüttet, Glückshormone.

Wer viel lacht fühlt sich also besser und hat weniger Stress. Gelotologen (Lachforscher) fanden heraus, dass man nach einer Minute Lachen so entspannt ist wie nach 45 Minuten Entspannungstraining. Also ein ideales Mittel gegen Frühjahrsmüdigkeit.

Wer die Mundwinkel hochzieht, vermeidet eine traurige Grundhaltung, richtet sich auf und signalisiert somit sich selbst und anderen, dass er glücklich ist. Bei schlechter Laune und Depressionen hilft (selbst künstliches) Lachen, es geht einem automatisch besser.

Ein optimistischer Mensch begegnet anderen Leuten anders als ein pessimistischer Mensch. Fröhliche, lachende Menschen sind kontaktfreudiger, toleranter, friedlicher, bei andern beliebter und daher sozial erfolgreicher.

Auch hat ein lachender, optimistischer Mensch eine positivere Auffassung und eine andere Sichtweise (zum Beispiel auf Probleme oder Schwierigkeiten). Er ist phantasievoller und kreativer. Durch Lachen distanziert man sich leichter von schwierigen Situationen, sieht die Welt in einem objektiveren Licht, wodurch neue Ideen sprudeln können.

Festgefahrene Verhaltensmuster können durch Humor leichter abgelegt werden.


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