Clown-Story

geschrieben von

Clinic-Clown  Hieroniemuß


Es gibt ja viele interessante Berufe und Tätigkeiten auf der weiten Welt und jede/r wünscht sich am Beginn seiner und ihrer Berufslaufbahn sowas wie "noch Zeit für Anderes haben nach der Arbeit " oder "nicht immer nur Stress im Job" oder "nette Kollegen" oder "Spass bei der Arbeit",  etc. .....

Vor der Klinik mit Doktor Clown Begrüßung
Vor der Klinik mit Doktor Clown Begrüßung©

Tja, mit dem Klinik-Clown-Dasein ist es in dieser Hinsicht so:

....nicht immer geh ich gerne zur Arbeit.........ja, Klinik-Clowns arbeiten tatsächlich während des Auftritts !........,aber wenn nach vielleicht anfänglicher Unlust die rote Nase auf die eigene Nase gesetzt ist und wir umgezogen sind und manchmal auch etwas ungezogen sein dürfen....und wir auf den ersten Menschen treffen als Clowns, dann.....ja dann ist der Schalter umgelegt und es läuft wie von selbst:

Die Spiellust kommt auf und wächst und wächst mit jedem neuen Kontakt, bei jeder Begegnung. Die Rädchen des einen Clowns verzahnen sich mit dem Getriebe des Clown-Partners/Partnerin und eine Spielidee jagt die nächste.

Das macht schon wirklich sehr großen Spass.....das ist aber auch große Freiheit durch Improvisation ......das ist Hier....das ist Jetzt.

Aber von vorn: Vor der Clown-Visite, vor dem Auftritt im Krankenhaus bekommen wir noch ohne Clown-Kostüm,  "in Zivil" erstmal eine kurze Übergabe im Stationszimmer. Auch dort versuchen wir ein bisschen Lockerheit zu verbreiten, was für uns etwas schwerer ist als danach mit Clownnase. Denn: Die Clownfigur, die man mit der Nase und den bunten Klamotten wie eine zweite Haut überzieht, macht es einem leichter, mit Humor über die Strenge zu schlagen......

Clinic Clown bei der " Visite " auf der Kinderstation Kempten
Clinic Clown bei der " Visite "©

Du bist dann eine Andere, ein Anderer.....etwas mutiger, etwas selbstbewußter, etwas kontaktfreudiger und auch etwas lustiger. Ein bißchen wieder wie ein Kind. Du erinnerst dich........?

Aber auch die andere Seite, die Patienten, das Publikum, das Klinikpersonal reagieren anders, ja offener als wenn du ohne Kostüm gekommen wärst. Du bist kein Fremder mehr, du bist ohne dich rechtfertigen zu müssen willkommen (meist.....).

Dein Clown ist sozusagen die bereits bezahlte Eintrittskarte in die Privatsphäre der Mitmenschen !

Die rote Nase signalisiert "die dürfen das--die wollen nur spielen ---die haben bestimmt 'was Lustiges dabei"

Das klappt meistens (bei 2-3% der Kinder leider nicht) und so dürfen wir als Fremde ein langes Kennenlernen einfach überspringen und gleich den direkten Weg zum Herz der Patienten  nehmen.

Für uns Doctor-Clowns ist es ein Riesenvorteil, dass wir ausschließlich zum Spaßmachen dort sind. Da hat es das medizinische Personal weitaus schwerer, denn es muß Untersuchungen durchführen, Abläufe erklären, unangenehme Pikse für Blutabnahmen setzen, viel länger arbeiten als wir und vieles mehr.

Wir sind sozusagen verwöhnt und privilegiert, denn falls wir keinen Erfolg in einzelnen Zimmern haben, dürfen wir abkürzen und uns zurückziehen, um es im nächsten Zimmer erneut zu probieren.

Das bedeutet enorme Freiheit ohne großen Druck.

Die andere Seite/die Kinder haben bei uns natürlich die Wahlfreiheit, ob sie uns reinlassen in "ihr" Krankenzimmer oder nicht.

Clinic Clowns - Hieroniemuß' Pinkel in der Kinderklinik Ulm
Clown Hieroniemuß' Pinkel in der Kinderklinik Ulm ©

Eine offene Bühne ist das sozusagen, ein Fast-alles-dürfen

und Kaum-etwas-müssen.

Aber Stopp !

Kaum etwas müssen?

Keine Hygiene?

Die Weisungen des Medizinpersonals?

Die Wünsche der Eltern?

Ja, natürlich müssen auch wir auf mehrere Dinge und Vorgaben achten. Unser Spiel darf chaotisch sein, unser fachliches Verhalten aber darf es nicht sein: Genau wie das Personal müssen wir dieselben Hygiene-Vorschriften beachten. Zum Beispiel vor jedem Zimmer Händedesinfektion. Nach der Aktion im Zimmer ebenso. Manchmal natürlich auch Maske tragen oder Einwegkittel zum Schutz der Patienten oder zu unserem. Das medizinische Personal ist auch immer weisungsbefugt uns gegenüber und wir ihnen gegenüber in der Pflicht. Auch Wünsche der Eltern müssen wir zumindest respektieren.Wenn der Wunsch ist, draußenzubleiben, müssen wir ihn 1:1 befolgen.Wenn wir krank sind, müssen wir zuhaus bleiben.Das sind so die grundlegenden ungeschriebenen Gesetze für Klinik-Clowns und ihre Arbeit. Was sich ebenfalls empfiehlt, ist ein wenig Distanz zu wahren, wenn die Clownvisite vorüber ist....dies soll bedeuten, nicht den ganz nahen, privaten Kontakt zu Eltern und Patienten zu suchen.

Der Grund hierfür ist, dass bestimmte Schicksale uns nicht so nahe gehen sollen, daß unsere Leichtigkeit im Spiel verlorengeht. Zuwenig Distanz könnte uns Spielkräfte rauben und dies wiederum ist nicht gut für unser Publikum.Unterm Strich ist die Arbeit als Klinik-Clown eine, die jedoch eher zusätzlich Kraft verleiht, weil sie eben auch uns Spaß und Freiheit bringt, tolle Begegnungen möglich macht, uns jede Woche eine  Bühne schenkt, wo wir uns präsentieren dürfen, ohne Berühmtheiten zu sein. Wir vertiefen dabei unsere Menschenkenntnis, erweitern unsern Horizont, lernen taffe Krankenschwestern, Pfleger und Ärzt:innen kennen und deren sehr anspruchsvolle Arbeit.Manchmal sind wir natürlich auch mal unzufrieden mit uns selbst und denken "das hättst du besser machen können"  oder  "das hätte mir doch auffallen müssen", aber ich denke, wir sind allermeistens gut genug, weil wir die Kids auch nicht enttäuschen wollen. Meist machen wir uns nach der Clownvisite zufrieden und mit einer gesunden Müdigkeit auf den Heimweg .......und zuhause überkommt, zumindest mich dann eine Schwere, die zum Sofa weist, sodaß ich mit freiem Kopf schon nach 20 Minuten Fernsehen wegpenne.....scharch-schnarch.      --ENDE gut, Alles gut--